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So, wie versprochen, hier nun meine zweite Kurzgeschichte.
Wie man unschwer auf einen Blick erkennen kann, länger als die andere. Und dieses Mal ist zur Abwechslung das Kind nicht gestört


Also wer Interesse hat, los gehts!

 


>>>   DREH´ DICH NICHT UM!!!  <<<


Es war einer dieser herrlichen, sonnigen Tage, die sie so liebte. Erika saß mit ihrer Tante Renate draußen auf der Terrasse und genoss das warme Sonnenlicht, das auf ihr Gesicht fiel. Sie mochte die Tage, die sie bei ihrer Tante verbrachte.
Heute wollte sie schon nach dem Mittagessen nach Hause gehen.
Um kurz nach zwei machte sie sich auf den Weg. Auch wenn sie es niemals zugab, das Mädchen hatte Angst vor der Dunkelheit. Schreckliche Angst.
Als sie etwa die Hälfte der Strecke hinter sich hatte, entschied sie eine kleine Pause zu machen und legte sich mitten auf eine Wiese. Und plötzlich überkam sie eine unglaubliche Müdigkeit, und das Mädchen schlief ein.

Der Alptraum kann beginnen.

Erika erwachte. Noch ziemlich benommen richtete sie sich auf und sah sich um. Und noch ehe ihr bewusste war, was passiert war, geriet sie in Panik. Dunkelheit. Die pechschwarze Nacht schien sich wie ein Schleier um sie zu legen. Das Mädchen war eingeschlafen, als sie sich vor einigen Stunden auf die Wiese gelegt hatte. Doch was sie nicht wusste,…… es hatte sich einiges verändert. Diese Nacht würde sie nicht so schnell vergessen.
So sehr sie sich fürchtete, Erika wollte nach Hause. Und zwar so schnell es ging.
Noch war es Angst, die sie ertragen konnte. Wenn sie sich beeilte, könnte sie die Dunkelheit bald hinter sich lassen und in ihr warmes Bett schlüpfen.
Sie hatte zwei Möglichkeiten: Den kurzen Weg durch den Wald, oder außen herum über einen unebenen Landweg.
Wenn es hell war, hatte Erika kein Problem durch den Wald zu laufen. Aber bei Nacht? Nein, sie entschied sich für den längeren Weg. Die Kinder nannten ihn immer den Hügelweg, weil er im wahrsten Sinne des Wortes Höhenunterschiede von mehreren Metern aufwies und der Weg dadurch ziemlich anstrengend werden konnte. Aber was sollte man auf dem Land erwarten? Gerade, gepflasterte Wege?

Das Mädchen atmete tief ein und machte sich auf den Weg. Bergauf, bergab, bergauf, bergab. Weit und breit kein einziges Geräusch, kein Mensch, kein Tier. Nichts als pechschwarze Nacht. Mit jedem weiteren Schritt schienen ihre Ängste zu wachsen. Ihre Füße wurden von Sekunde zu Sekunde schwerer, ihr Atem ungleichmäßiger.
Und von einem auf den anderen Moment erinnerte sich Erika an das was ihre Tante ihr damals erzählt hatte, als sie eines Tages über genau diesen Weg spazieren gegangen waren.
„Erika, du darfst niemals bei Nacht über diesen Weg gehen!“ „Warum?“, hatte Erika neugierig gefragt. „Unter diesen Hügeln sind Riesen begraben“, hatte Renate geflüstert, „sobald es dunkel wird, erwachen sie. Und Gnade Gott dem, der sich dann in ihrer Nähe aufhält!“ Erika hatte sich bereits damals gefürchtet. Sie glaubte, dass die Riesen wirklich der Grund für die Hügel waren. „Und solltest du doch eines Tages bei Nacht dort sein“, hatte ihre Tante geheimnisvoll hinzugefügt, „dann musst du so leise sein, das du dich selbst nicht mehr hören kannst!“

Erika bekam Panik. Es war nicht in Worte zu fassen wie unwohl sie sich gerade fühlte. Sie konnte nicht anders und schaute auf den Boden. Da mussten sie liegen. Die Riesen. Und wenn sie erwachen, werden sie mich kriegen, dachte das kleine Mädchen und machte keinen Mucks. Doch plötzlich blieb sie stehen. Es war, als würde sie von einer unsichtbaren Kraft am Weiterlaufen gehindert werden.
Ein Atmen, ein lautes, gleichmäßiges Atmen. Sie konnte es ganz deutlich hören. Doch es kam nicht von ihr. Es war viel zu laut. Aber sie konnte niemanden entdecken. Voller Entsetzen kam die Kleine zu dem Schluss, dass jemand hinter ihr stehen musste.
„Dreh dich niemals um, wenn du Angst hast. Wenn du dich einmal umgesehen hast, wird deine Angst nur noch größer!“ Erika erinnerte sich an diesen Spruch und steckte im Zwiespalt. Umdrehen? Nicht umdrehen?

Hinter sich stellte sie sich eine grinsende Fratze vor, die begierig darauf wartete, dass Erika sich umdrehte.

Das Mädchen wurde beinahe wahnsinnig, hatte sich immer noch nicht umgedreht. Und in dem Moment, als sie glaubte, den Atem in ihrem Nacken zu spüren, drehte sie sich abrupt um.

Nichts. Niemand. Kein Mensch. Keine grinsende Fratze.

EINE BÖSE VORAHNUNG.

Doch anstatt erleichtert zu sein, wuchs ihre Panik. Der Boden. Die Hügel. Die Riesen. Das Atmen musste aus dem Boden gekommen sein.
Erika war bei Nacht über den Weg gegangen, und nun würden sie erwachen um sie zu holen.
Sie musste hier weg. Hastig blickte sie sich um. Rechts in einigen Metern Entfernung lag der Wald. Sie konnte ihren schrecklichen Weg verkürzen. Ein paar Minuten durch den Wald, das würde sie schon schaffen.
Und als sie noch überlegte, was zu tun sei, meinte Erika etwas im Boden zu spüren. Etwas, das sich bewegte. Etwas, das lebte. Genau unter ihr.

In der nächsten Sekunde war sie auf dem Weg in den Wald. Nichts in der Welt würde sie hier halten. Doch die Ereignisse überschlugen sich. Kurz vor der Grenze zwischen Wald und Weg entdeckte Erika in der Ferne ein schwaches Licht. Ein Spaziergänger? Fast euphorisch vor Freude wollte sie loseilen.
Doch in genau diesem Augenblick hörte sie es. „Erika“, ein leises Heulen, das durch den Wind getragen wurde, direkt zu ihr. „Erika“. Wieder dieses Rufen. Irgendjemand rief ihren Namen. „Eri-kaaaaaa“ „Eri-kaaaaaa“ „Erika“. Es hörte sich fast wie ein Schluchzen an. Ein Flehen.
Doch wieder war niemand weit und breit zu sehen. Völlig verzweifelt setzte sie sich auf den Boden, rührte sich nicht und begann zu weinen.
Diese Schreie brachten sie um den Verstand. Sie konnte nicht weitergehen.

Die Rufe verstummten. Und einige Sekunden später ertönten sie erneut, nur dieses Mal direkt neben Erika, ein leises Flüstern, nur für sie bestimmt: „Erika“. „E – R – I – K – A“. Und jetzt hatten sie eine beruhigende Wirkung. Einerseits fürchtete sie sich, da sie nicht wusste, wer nach ihr rief. Doch andererseits hatte sie nun das Gefühl, die Stimme zu kennen, sie klang nicht gefährlich, sondern nun vielmehr beruhigend.
Erika nahm ihren Mut zusammen und öffnete wieder die Augen. Und in diesem Moment verschwanden die Rufe. Alles war wieder still.

Erika stand auf. Immer noch ängstlich, aber wesentlich beruhigter als zuvor ging sie an der Waldgrenze entlang und schließlich zurück auf den „Hügelweg“. Mucksmäuschenstill setzte sie zügig einen Fuß vor den anderen. So würde sie die Riesen hoffentlich nicht wecken. Irgendetwas sagte ihr, nicht in den Wald zu gehen und auch das Licht war verschwunden.

EINIGE Minuten zuvor:

Heinrich Schmidt lief ziellos durch den Wald. Bewaffnet mit einer Taschenlampe, einer halbleeren Flasche Bauernschnaps und einer Menge Wut, streifte er durch die Wälder. Der Wahnsinn stand ihm ins Gesicht geschrieben und Blut klebte an seinen Händen. Heute war seine Nacht. Er hatte sich nicht mehr beherrschen können, und Frau und Kind im Schlaf die Kehle durchgeschnitten. Er wollte wissen, wie es war, das Leben eines anderen in den Händen zu halten. Er wollte sehen, wie ihre Augen langsam matt und ihre Körper leblos wurden. Er wollte sich endlich die Art von Glück verschaffen, die er in seinem Alltag nicht finden konnte.
Und nun war er gestörter denn je und war fest entschlossen in seinem Blutrausch alles und jeden zu vernichten. Oder gegebenenfalls sich selbst.

Plötzlich hatte er etwas gehört. Er hatte seine Augen weit aufgerissen, um zu sehen, wer sich um diese Zeit noch im Wald aufhielt. Und mit einem Mal hatte er eine kleine Gestalt am Waldesrand entdeckt. Ein Kind. Ein kleines Mädchen, ganz allein. Heute war sein Tag. Er hatte sein nächstes Ziel.
Blitzschnell hatte er seine Taschenlampe gelöscht und war in die Richtung des Mädchens geschlichen. Langsam und pirschend immer näher an die Kleine, deren Leben er gleich voller Genugtuung ein Ende bereiten würde.

Doch mit einem Mal hatte er etwas vernommen. Ein Flüstern, dann ein lautes Rufen: „Erika“. Immer wieder. Immer lauter. Beinahe unmenschlich diese Schreie.
Er hatte sich gefragt, ob er einem potenziellen Gegner noch gewachsen wäre? Ein Kind hätte er auch im Vollrausch bewältigen können, aber einen Erwachsenen?
Und erstaunlicherweise hatte seine Intuition über sein Verlangen nach einem weiteren Opfer gesiegt und Heinrich war einige Meter zurück geschlichen.
Er war noch einige Minuten in Deckung geblieben. Dann war ihm klar geworden, dass niemand kommen würde. Und als er die Stelle erreicht hatte, an der das kleine Mädchen gehockt hatte, musste er feststellen, dass sie verschwunden war.
Er war sich nicht sicher gewesen, ob sie jemals dort gesessen hatte, ob sein Verstand ihm vor lauter Verlangen nur einen Streich gespielt hatte.

Erika verließ den Weg und hatte es nicht mehr weit bis nach Hause. Nach weiteren 10 Minuten erreichte sie die Siedlung. Das Mädchen vernahm Geräusche in einiger Entfernung. Sirenen und viele verschiedene Stimmen, die offenbar alle durcheinander sprachen. Was war hier los?

WENIGE Minuten zuvor:
Heinrich hatte sich umentschieden. Es war keine Einbildung. Da HATTE ein kleines Mädchen gesessen. Er trat aus dem Wald und ging in die entgegen gesetzte Richtung, aus der er gekommen war. Ich werde sie mir holen, dachte er. Und bei diesem herrlichen Gedanken begann er aufgeregt zu keuchen.

Erika ging weiter in die Richtung, aus der irgendwo Sirenen zu hören waren. Was war das bloß für eine Nacht!

Im GLEICHEN Moment:
Der Verrückte sah das Mädchen einige Meter vor ihm. Vorsichtig ging sie in die Richtung, aus der die Sirenen ertönten. Sie sind schon an meinem Haus, dachte er, und stellte sich vor, wie die beiden Leichen in den Krankenwagen gebracht wurden. Mit einem weißen Laken zugedeckt. Du entkommst mir nicht, dachte er und ging schneller. Die Kleine hatte ihn noch nicht bemerkt. Ein leichtes Spiel.

Erika ging langsam weiter. Ob die Polizei die ganze Siedlung wach klingelte, weil Erikas Mutter nach ihrer Tochter suchte? Würde sie Ärger bekommen?

Heinrich stand nur Zentimeter hinter der Kleinen. Sein Atem wurde schneller und schneller. Gleich würde sie sich nach ihm umdrehen. Er würde in ihre erschreckten Augen blicken und ihre Angst förmlich riechen können.

Erika spürte plötzlich etwas in ihrem Nacken. Und sie hörte es. Sie hörte es wieder. Das Atmen. Dieses Mal realer als zuvor. Sie konnte sich nicht ein zweites Mal täuschen. Sie konnte sich doch nicht noch ein zweites Mal täuschen. Wieder die Worte: „Dreh dich nicht um!“, an die sie sich zurückerinnerte. Und weil sie es nicht aushielt noch einmal zu schauen, rannte sie einfach los.

Heinrich starrte verdutzt das Mädchen an, das soeben losgelaufen war. Was für eine untypische Reaktion für einen Menschen, der spürt, dass etwas hinter ihm ist. Sich einfach umdrehen und loslaufen, statt der Gefahr ins Auge zu blicken.
Und weil er wusste, dass er ohnehin viel schneller war, rannte er gelassen hinter ihr her.

Erika war sich nun sicher, ihre Angst hatte ihr doch nur einen Streich gespielt, aber bis nach Hause wollte sie nun dennoch rennen. Im nächsten Moment wurde sie plötzlich an der Schulter gepackt und festgehalten. Völlig perplex begann sie zu schreien und blickte in eine grinsende Fratze, die ihre spitzen Finger tief in ihre Schulter und nun auch in ihren Arm bohrte. Doch keine Einbildung!!

Heinrich erfreute sich an diesem Moment des Schreckens und zückte sein Messer. Noch ein paar Sekunden, dann wäre alles schon wieder vorbei, dachte er etwas enttäuscht.

Doch bevor der Irre dem kleinen Mädchen die Kehle durchschneiden konnte, ertönte ein Megaphon: „Lassen Sie die Waffe fallen und nehmen Sie die Hände von dem Kind, hier spricht die Polizei!“
Erika spürte, wie sich die Finger lockerten,….. voller Panik rannte sie los, als sie wieder „frei“ war. Sie drehte sich nicht um. Wollte einfach weg von dieser Fratze.
Von diesen gierigen Augen.  Und auf einmal stand ihre Mutter vor ihr und nahm sie hastig in die Arme: „Erika, und ich dachte dir wäre etwas zugestoßen. Sie sagten mir, es gäbe keine Hoffnung!“ Erikas Mutter begann zu weinen und auch Erika fühlte sich endlich wohl und sicher.

Heinrich betrachtete das Bild. Mutter und Kind, wieder vereint. Fürchterlich. Er sah die Polizisten, die ihn weiter aufforderten, sein Messer fallen zu lassen. Heinrich Schmidt zögerte nicht lange. Er packte es und schnitt sich die Kehle durch.

Und das war's

END




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