Startseite
  Archiv
  F O T O S
  Kurzgeschichte 4
  Kurzgeschichte 3
  Kurzgeschichte 2
  Kurzgeschichte 1
  Gästebuch
  Kontakt
 


Webnews



http://myblog.de/totenbraut88

Gratis bloggen bei
myblog.de





Eine Kurzgeschichte, offener Anfang, offenes Ende.
Wer sich dafür etwas begeistern kann,.... nur zu,..... falls es jemand liest, ich bin sehr an eurer Kritik interessiert !!!

 

Der Junge saß völlig zitternd und verängstigt in einer dunklen Ecke des Schlafzimmers. Er fühlte sich mutterseelenallein. „Was hast du?“, hörte er wieder diese Stimme fragen, „du hast doch nicht etwa Zweifel?“ Eric saß noch immer bewegungslos in der Ecke. „Geh weg! Lass mich allein!“ Doch der Junge WAR allein. Ganz allein. Seit seinem 10. Geburtstag vor drei Jahren hatte Eric begonnen, mit dieser „Stimme“ zu sprechen. Er hatte niemals eine Wahl. Eines Tages war sie einfach da gewesen. Und mit jedem Tag der verging, gelang es seinem 2. Ich wieder und wieder die Kontrolle über Eric zu nehmen. Ja, vielleicht war er schizophren. Und, er war verrückt. Aber ist es einem Irren wirklich bewusst, das er irre ist?
Eric war sich nicht sicher, woher die Stimme kam. Er empfand sie als bedrohlich, er fürchtete sich vor ihr. Aber er wusste, dass er nichts tun konnte.
„Komm schon. Du weißt, was du zu tun hast!“, stachelte ihn die Stimme abermals an. Eric schüttelte den Kopf: „Ich kann nicht!“ Stille. Der Junge verharrte einige Sekunden, bis er sich verwundert umsah. Nichts. Keine Stimme. Kein schwarzer Mann.
Doch er hatte sich zu früh gefreut: „DU KANNST!“
„Du kannst es!“ „Du kannst es!“ „Nein“, begann Eric zu schreien.
„Tu es!“

Nora Klein saß völlig erledigt hinter dem Steuer ihres giftgrünen VW Golfs. Wieder einmal hatte sie einen stressigen Arbeitstag in der Kanzlei ihres Chefs hinter sich. Überstunden waren an der Tagesordnung. Alles was sie wollte, war nach Hause, und ein entspannendes Bad nehmen. Sie dachte an ihren Mann, Charles, und an Eric. Dabei machte sie sich Sorgen. Der Junge war den ganzen Tag allein. Charles war ein hoffnungsloser Säufer. Auch wenn sie es nicht wahrhaben wollte. Sie hatte bemerkt, dass Eric sich in letzter Zeit sehr zurückgezogen hatte. Er sprach kaum ein Wort und hatte übermäßig hohen Respekt vor seinem Stiefvater.

Charles und Nora hatten geheiratet, als Eric gerade sechs Jahre alt war. Innerhalb weniger Jahre hatte sich ihr zweiter Ehemann gewandelt. Er trank, verlor seine Arbeit und verbreite mit seiner Aggressivität eine negative, nein, wenn nicht sogar bedrohliche Atmosphäre.
Nora Klein wusste tief in ihrem Unterbewusstsein, das irgendetwas nicht stimmte. Die blauen Flecken, die Eric vorgab vom Spielen zu haben, Charles Abneigung, die er dem Jungen gegenüber täglich zum Ausdruck brachte. Nora wusste, dass sie sich schon längst hätte einmischen müssen. Für ihren Sohn entscheiden, gegen Charles. Sie war schon lange nicht mehr glücklich in der Ehe. Aber was sie in einem eisernen Griff festzuhalten schien, war die Angst vor Charles. Vor seiner aggressiven, gewalttätigen Seite. Vor dem Moment, wenn sie ihm mitteilen würde, dass sie ihn verließe. Tief in ihrem Inneren war Nora einfach zu schwach, um sich und ihren Sohn zu retten.

Doch Nora Klein wusste nicht, dass es ohnehin zu spät war.
Schließlich stieg sie aus ihrem Auto und betrat den Hausflur. Die Wohnung lag im ersten Stock. Und in dem Moment, als sie den Schlüssel herumdrehte, um die Wohnung zu betreten, war ihr Schicksal besiegelt.
Alles war stockfinster. Vorsichtig setzte Nora einen Fuß vor den anderen: „Hallo? Eric? Charles?“ Keine Antwort. Eine drückende Stille machte sich breit und Nora hatte das Gefühl, als würde sie beobachtet. Sie wusste nur nicht woher. Langsam ging sie weiter. In ihrer steigenden Panik begann sie sich in ihrer Phantasie einen Psychopathen auszumalen, der hinter jeder Tür auf sie lauern könnte. Sie erwartete eine grinsende Grimasse, die gierig darauf wartete sie anzufallen. Als sie endlich den Deckenfluter, dem einzigen Licht im Flur angekommen war, und ihn einschaltete, entdeckte sie, dass der Flur leer war.
Für einen kleinen Moment atmete sie auf.

Doch im nächsten Augenblick hörte sie, wie im Wohnzimmer ein Gegenstand, wahrscheinlich aus Glas, zu Bruch ging. Die Wohnzimmertür stand offen, jedoch brannte kein Licht in dem Zimmer. „Hallo?“, rief Nora und Richtung Wohnzimmer. Als sie hineinspähte, konnte sie, noch geblendet von dem Licht im Flur, nichts entdecken. Sie wollte gerade das Licht einschalten, als sie eine Stimme hörte: „Die Birne ist kaputt, es war keine Absicht!“ „Eric? Schätzchen? Bist du das?“, fragte Nora verunsichert und musste feststellen, dass das Licht wirklich kaputt war.

Sie ging langsam näher in die Richtung aus der die Stimme kam. „Eric?“  „Du kommst spät!“, sagte die Stimme ihres Sohnes monoton, „wir waren den ganzen Tag allein!“ „Eric, was ist denn los? Ist was passiert?“, Nora war überaus nervös, „und was machst du hier allein im Dunkeln? Wo ist Charles?“ Sie näherte sich der Stimme ihres Sohnes. „Charles liegt im Bett, es geht ihm gar nicht gut. Wir waren so allein“, sagte die Stimme Erics, etwas leiser. Auch wenn es seine Stimme war. Seit Nora die Wohnung betreten hatte, hatte sie es nicht mehr mit ihrem Sohn zu tun.
„Wir?“, fragte sie nervös, „aber wovon sprichst du, Eric?“
Sie hörte, wie sich ihr Sohn durch den Raum bewegte. „Eric? Wo bist du?“

„Eric? Warum willst du wissen, wo Eric ist?“, flüsterte die Stimme, kaum hörbar, „sonst interessierst du dich doch auch nicht für ihn!“  Nora blieb entrüstet stehen. Wer oder was sprach da mit ihr? Es war eindeutig die Stimme ihres Sohnes. Und plötzlich stand er vor ihr. Nora erschrak und taumelte einige Schritte rückwärts. „Aber was hast du Mom? Ich bin’s doch nur, dein Sohn.“ Verwirrt und gleichzeitig in heller Aufregung blickte Nora in das Gesicht ihres Sohnes, der stocksteif vor ihr stand und sie durchdringend anstarrte.
„Eric? Was ist los mit dir?“ Nora zitterte am ganzen Körper. Sie fühlte sich von ihrem eigenen Sohn bedroht. „Komm, ich muss dir was zeigen. Es ist in der Küche!“, flüsterte Eric beinahe euphorisch und starrte Nora immer noch an.
Er griff die Hand seiner Mutter und zog sie hinter sich her, in den Flur, Richtung Küche. „Wo willst du denn hin?“, fragte  Nora völlig perplex. Seine Stimme ist so kalt, dachte sie. Seine Augen so leer. Und dann bemerkte sie plötzlich, dass die Hand ihres Sohnes seltsam feucht war. Und in dem Moment, als sie hinabschaute, lief Nora ein eiskalter Schauer den Rücken hinunter. Blut. „Schatz, du blutest?“, rief sie erschrocken, „was ist hier los?“

Eric ließ die Hand seiner Mutter los. Langsam drehte er sich um. Seine Augen, dachte Nora. Bewegungslos stand sie da und fröstelte am ganzen Körper. Sie blickte in die Irren Augen ihres Sohnes. Den starren Ausdruck seines Gesichts. Und plötzlich ging alles ganz schnell. Eric begann gehässig zu lachen und schrie schließlich wie von Sinnen: „Das ist nicht MEIN Blut!“

Einen Moment später ertönte der Schrei einer Frau. Und dann folgte wieder Stille.


(fin)




Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung